Das denkmalgeschützte Jugendstilkaufhaus vor der Sanierung
 

LEHNITZSTRASSE 1

Das Grundstück Lehnitzstr. 1 hat eine bewegte Geschichte und lässt sich in den Bauakten bis in das Jahr 1861 zurückverfolgen. Zunächst gehörte es einem Bäckermeister Friedrich Blankenburg, ab 1870 dem Bäckermeister Bludau und ab 1906 nach mehreren Eigentumswechseln dem Kaufmann Adolph Sziede. In seinem Eigentum wurde das Gebäude Lehnitzstraße 1 in den Jahren 1909–1910 in seiner heutigen Form als Kaufhaus errichtet. Entworfen und geplant wurde das Jugendstil-Gebäude durch die Berliner Architekten Höniger & Sedlmeyer, geprüft und zur Ausführung freigegeben durch den königlichen Hofbaurat Jaffé. Sowohl der Abriss der alten Gebäude als auch der Neubau wurden durch den Oranienburger Bauunternehmer Heinrich Lauter ausgeführt. Das Kaufhaus war z. B. mit einem Lasten- und Personenaufzug der Maschinenfabrik Flohr aus Berlin ausgestattet und galt unter anderem deshalb seinerzeit als ein besonders modernes Bauwerk. Kaufmann Sziede, ab 1909 Gesellschafter der "Kaufhaus Wegner & Co. Oranienburg", die das Kaufhaus betrieb, wohnte bis 1938 auch im Haus. Im Januar 1947 trat die Kreiskonsumgenossenschaft Niederbarnim Nord als neuer Eigentümer in Erscheinung und baute das Erdgeschoss nach den Erfordernissen der Nachkriegszeit in Teilen zu einer Imbissgaststätte um. 1951 stand die Konsumgenossenschaft in Übernahmeverhandlungen mit der "HO", der damals gegründeten staatlichen Handelsorganisation der DDR. 1994 wurde das Grundstück an die "Leiser-Universal-GmbH" veräußert, die es 1997 an Privat verkaufte.
 
Das viergeschossige, denkmalgeschützte Gebäude befindet sich nicht nur in städtebaulich besonders exponierter Lage an der Kreuzung Bernauer/Sachsenhausener/Lehnitzstraße. Es ist darüber hinaus in Kubatur, Gebäudegliederung und Baudetails ein herausragendes Beispiel der Kaufhausarchitektur des Jugendstils.
 
Von 1999 bis 2000 wurde das Gebäude unter Beachtung der besonderen denkmalpflegerischen Anforderungen saniert. Die Instandsetzung der baulichen Hülle wurde mit rd. 95.000 Euro aus Städtebauförderungsmitteln unterstützt.
 
Heute wird nur noch das Erdgeschoss durch eine Einzelhandelseinrichtung genutzt, in den Obergeschossen befinden sich Büroräume und Wohnungen.
 

Bei der Fassadensanierung wurde behutsam mit dem wertvollen Baudenkmal umgegangen